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Namensweihe
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Im thüringischen Nordhausen gab es einen Mann, er hieß Eduard Baltzer und hatte 1852 genug Mut, in diesem Sinne zu handeln. Er war Pfarrer und Sprecher der neugegründeten Freien Gemeinde, die den Machtanspruch der Kirchen, ihren Prunk und Reichtum ablehnte. Das war zu der Zeit nicht ungefährlich. Eduard Baltzer lud dennoch Jungen und Mädchen ein und nannte in Abgrenzung zur Konfirmation und Kommunion seine Einführung der Jugendlichen in die christliche Gemeinde „Jugendweihe“. Erst später haben andere Gemeinden diesen Begriff übernommen. Ab 1889 wurden in Berlin und 1890 in Hamburg und Erfurt die ersten weltlichen Schulentlassungsfeiern durchgeführt. Die Initiatoren dieser weltlichen Feiern kamen aus den freireligiösen Gemeinden. Der Name "Jugendweihe" setzte sich erst nach dem ersten Weltkrieg durch. Die Zahl der am 14. April 1889 in Berlin "jugendgeweihten" Jungen und Mädchen betrug gerade einmal 37 Teilnehmer. Zur Jahrhundertwende gab es in Hamburg 50 Teilnehmer und 1912 waren 1.800. Natürlich hatte die Bewegung auch ihre Gegner. Die Kirche und Staatsorgane wetterten und hetzten gegen die neue atheistische Bewegung. Ihre Blütezeit erlebte die Jugendweihe in der Weimarer Republik, das waren die Jahre zwischen dem ersten und dem zweiten Weltkrieg. Bereits vor dem ersten Weltkrieg lösten Feste – trotz fortwährender staatlicher Repression – ein gewaltiges Echo aus. Doch der Frühling des freien Geistes war nicht von langer Dauer. Den Kirchen waren die Jugendweihen stets ein Dorn im Auge. Dass die Nazis in den Freigeistern ihre Kulturfeinde sahen, war logisch. Ihre Versuche, die Jugendweihe zu okkupieren und in den Dienst ihrer Propaganda zu stellen, misslangen jedoch. 1933 wurde Jugendweihe verboten. Nach der Befreiung vom Faschismus durch die alliierten Truppen wurde Deutschland in zwei Interessensphären aufgeteilt. Nachdem in der sogenannten Ostzone und der späteren DDR vorerst die Feiern von Freidenkern veranstaltet wurden, wurden 1954 auf initiative der SED die Ausschüsse für Jungendweihe gegründet. Ab 1954 gab es in allen Bezirken der DDR ausschließlich die von der SED kontrollierten Jugendweihefeiern. Sinn und Zweck dieser Jugendweihe war es, den Jugendlichen die herrschende Ideologie zu vermitteln und sie vom Kirchlichen Einfluss fernzuhalten. Sie wurde zum Verpflichtungsritual des Jungen Menschen, unabhängig von religiöser Bindung, auf den sozialistischen Staat. Es wurde erwartet, dass jeder an der Jugendweihe teilnahm. Doch nicht alles in den knapp 40 Jahren des Bestehens der Jugendweihe in der DDR war schlecht. Fragen nach dem Sinn des Lebens, die Junge Menschen bewegen, konnten vielerorts diskutiert werden. Es gab zahlreiche Angebote für eine sinnvolle Lebens- und Freizeitgestaltung. Obwohl man nach dem Untergang der DDR, vor allem seitens westdeutscher Politiker und Medien, den baldigen Tod vorausgesagt hatte, ist die Jugendweihe im Jahr 12 der Einheit immer noch da. Auch heute im Jahr 2003 erfreut sich die Feier zur Jugendweihe ungebrochener Beliebtheit in den neuen Bundesländern. Heute sind die Anbieter der Jungendweihe der Humanistische Verband Deutschlands, der Freidenker Verband und die Jugendweihe Deutschland e.V. sowie weitere Gruppierungen. Die im Sommer 1990 gegründete Interessenvereinigung Jugendweihe e.V., heute Jugendweihe Deutschland e.V., ist zurzeit der größte Anbieter in der Bundesrepublik Deutschland. Jährlich werden ca. 95.000 Mädchen und Jungen in den Kreis der Jugendlichen aufgenommen und in diesem Jahr wird der 1-millionste Teilnehmer seit der Gründung des Vereins erwartet. Feiern und Feste sind eine uralte Tradition der Menschheit. Eine solche Tradition ist auch die Vorbereitung der Jungen und Mädchen aus das Erwachsenwerden, die in Form einer Feier ihren Höhepunkt findet. Heute haben wir keine Jugendstunden mehr, sondern bieten offene Jugendarbeit für 12-16-jährige an. Damit erhält jeder die Möglichkeit, sich individuell auf das Fest und seine weitere Zukunft vorzubereiten. Werner Riedel ehemaliger Präsident Jugendweihe Deutschland e.V.
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